Moderation in der Retail-Branche: 8 Filialen und ein Pilotprojekt für den Handel
Wer eine Moderatorin für ein Retail-Event bucht, erwartet jemanden, der durch die Agenda führt und das Publikum bei der Stange hält. Wirklich zählt der Moment, in dem mehr passiert: ein Raum, der beginnt, anders zu denken. Der reo-Kickoff in Heilbronn war so ein Moment. Ein Mehrwegsystem für Kosmetikverpackungen, das die Beauty-Branche lange für unlösbar hielt. 400 Millionen Einweg-Shampooflaschen pro Jahr als Gegner, acht Kaufland-Filialen als Startpunkt. Bürgermeister, Handelspartner, Markenvertreter und eine Gründerin gemeinsam auf der Bühne. Und ich - bevor ich das Mikrofon in die Hand genommen habe - selbst noch skeptisch, ob ausgerechnet meine eigene Shampooflasche bald Teil eines Kreislaufs werden könnte.
Katharina Aguilar bei der Moderation des Panels des reo-Kickoff in Heilbronn - mit Kaufland, Lavera und reo-Gründerin Steffanie Rainer. (Foto: reo / Isabelle Dupont)
Bevor ich das Mikrofon in die Hand genommen habe, habe ich mit Gründerin Steffanie Rainer gesprochen. Ich war skeptisch, denn mir war klar, wie dick das Brett ist, das sie bohrt: ein etabliertes Verpackungssystem der gesamten Beauty-Branche gegen jeden Widerstand zu verändern.
Aber dann ist mir etwas aufgefallen. Ihr ist das vollkommen klar. Auf jede Frage hat sie eine Antwort. Und es treibt sie eine Energie an, die unermüdlich die Welt ein Stück besser machen will. reo, das Mehrwegsystem, das Steffanie Rainer aufgebaut hat, könnte so einfach funktionieren, dass man nach diesem Gespräch nur noch eines will: dass es Erfolg hat.
Wenn ein Handels-Event zum Schaufenster für Wandel wird
Steffanie Rainer hat mit reo etwas gebaut, das auf den ersten Blick zu einfach klingt, um zu funktionieren: ein Mehrwegsystem für Kosmetikverpackungen, das ohne neue Infrastruktur auskommt. Keine neuen Verpackungen, keine neue Logistik. Stattdessen wird die vorhandene Pfand-Infrastruktur genutzt, über die Konsument:innen schon heute ihre Colaflasche zurückgeben.
Dass ein solches System nur mit einem funktionierenden Ökosystem aus Handel, Marken, Start-ups und Infrastrukturanbietern gelingen kann, war allen im Raum klar. Und genau dieses Ökosystem saß beim Kickoff gemeinsam auf der Bühne beziehungsweise im Publikum: Bürgermeister Harry Mergel für die Stadt Heilbronn, Sabine Kästner von laverana GmbH & Co. KG als Markenvertreterin, Ines Rottwilm von Kaufland als Handelspartner und Dr. Julia Hufnagel, ebenfalls von der Stadt Heilbronn.
Als Moderatorin für Handel und Nachhaltigkeit ist genau das mein liebstes Format: kein einzelner Vortrag, sondern ein Raum, in dem Handel, Marke und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen müssen, damit ein Pilotprojekt tatsächlich in die Welt kommt.
Das Problem, das die Beauty-Branche für unlösbar hielt
Der Business Case dahinter ist so simpel wie clever. Vorhandene Shampooflaschen werden exakt so, wie sie sind, mehrfach genutzt, keine Designänderung nötig. Kundinnen geben ihre leere Flasche am Pfandautomaten zurück und erhalten 29 Cent Cashback pro Flasche. reo sammelt die Flaschen, reinigt sie, und die Kosmetikmarken kaufen sie zurück, um sie erneut zu befüllen. Ein geschlossener Kreislauf, der ohne neue Infrastruktur auskommt und trotzdem einen klaren wirtschaftlichen Anreiz für Konsument:innen schafft.
Für den stationären Handel ist das mehr als ein Nachhaltigkeitsprojekt. Es ist eine Frage, die jede Category-Managerin und jeden Filialleiter aktuell beschäftigt: Wie wird der Point of Sale zur Bühne für echte Kreislaufwirtschaft, ohne dass Logistik und Regalfläche zur Blockade werden? reo beantwortet diese Frage mit maximaler Einfachheit, dem Start-up-Prinzip in Reinform: Keep it as simple as possible.
Seit dem Kickoff läuft die Pilotanwendung in 8 Kaufland-Filialen in Heilbronn sowie an weiteren Standorten in München. Wer dort seine Lavera-, Kneipp- oder Sané-Shampooflasche zurückgibt, wird Teil eines Systems, das zeigt, wie Handelspartner, Marken und Kommunen gemeinsam Verantwortung übernehmen können, ohne die Kaufentscheidung der Kundinnen zu verkomplizieren.
Was ich aus dieser Moderation über den Retail gelernt habe
Katharina Aguilar bei der Moderation des reo Kickoff in Heilbronn - gemeinsam mit Kaufland, Lavera, Kneipp, Sané und der lokalen Politik (Foto: reo / Isabelle Dupont)
Kurz zu mir: Ich bin Katharina Aguilar, Keynote Speakerin und Moderatorin im DACH-Raum. Meine Verbindung zum Handel ist eine voller Leidenschaft: Seit vielen Jahren verantworte ich selbst Projekte in Retail, Kultur und Gastronomie - gemeinsam mit Gestaltern, Projektentwicklern und Handelsunternehmen. Dabei geht es stets um mehr als nur Verkaufsflächen: es geht viel mehr um die Frage, wie Räume auf Marken, Menschen und Kaufentscheidungen wirken. Als Gründerin eine Innovationsagentur bewege ich mich genau im Spannungsfeld zwischen Raum und Zukunft. Heute bringe ich diese Perspektive als Beirätin, Beraterin und Visionärin auf den Bühnen des Handels ein, als Keynote Speakerin und Moderatorin für Nachhaltigkeit, Experience Economy, KI und die Zukunft des Handels.
Für mich als Moderatorin bestätigt dieser Nachmittag, was ich immer wieder erlebe: Die besten Retail-Events entstehen nicht durch einzelne große Reden, sondern durch Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven, Handel, Marke, Kommune, Start-up, ehrlich aufeinandertreffen dürfen.
In den Gesprächen mit Steffanie Rainer, den Vertreterinnen von laverana und Kaufland sowie der Stadt Heilbronn ging es immer wieder um dieselbe Frage: Wie viel Veränderung ist der Handel bereit mitzutragen, wenn die Lösung so einfach ist, dass sie fast zu einfach wirkt? Am Ende des Nachmittags war die Antwort im Raum spürbar: Es ist genial. Und es muss gelingen.
Ich gebe zu: Mit meinem eigenen Start-up-Background war ich anfangs selbst skeptisch, ob ein Mehrwegsystem für Kosmetik wirklich funktionieren kann. Genau diese Skepsis habe ich auch auf der Bühne offen angesprochen, denn eine gute Moderation stellt die unbequemen Fragen zuerst.
Was mich überzeugt hat, war nicht die Vision allein, sondern wie konkret der Business Case bereits gedacht ist: ein Cashback-Anreiz für Kund:innen, eine bestehende Infrastruktur, echte Handelspartner wie Kaufland, die mitziehen. Genau diese Konkretheit macht den Unterschied zwischen einer Nachhaltigkeitsidee und einem Projekt, das im Handel tatsächlich skaliert.
Es wurde ehrlich nachgefragt, echte Zahlen und echte Zweifel kamen auf den Tisch. Und das Wichtigste: Die beste Moderation endet nicht mit Applaus - sie endet mit dem Gefühl: Jetzt muss es einfach gelingen.
Ob Store-Eröffnung, Produktlaunch, Kickoff für ein Pilotprojekt, Fachtagung oder Handelskongress – jedes Format stellt andere Anforderungen an die Moderation
Wenn Unternehmen aus dem Handel eine Moderatorin buchen, denken viele zuerst an Ablaufkontrolle. Wer spricht wann, wie lange, in welcher Reihenfolge. Das ist die Basis, und sie ist wichtig.
Aber was ein Retail-Event wirklich trägt, ist etwas anderes.
Die Menschen im Handel wollen nicht beschallt werden. Sie wollen verhandeln. Kreislaufwirtschaft diskutieren. Verantwortung benennen. Wer auf einem Panel über Nachhaltigkeit im Handel, den Kampf zwischen E-Commerce und stationärem Geschäft, KI-Avatare im Kundenservice, Digitalisierung der Filiale oder die Zukunft der Innenstädte spricht, tut das nicht im luftleeren Raum, er tut es vor Handelspartnern, Marken, Kommunen und der eigenen Belegschaft. Das ist Gewicht.
Ein Produktlaunch braucht emotionale Energie und einen klaren Spannungsbogen. Ein Fachkongress braucht inhaltliche Schärfe und die Fähigkeit, komplexe Themen zwischen den Panels lebendig zu halten, egal ob es gerade um Retail Media, digitale Avatare am Point of Sale oder die Rettung der Innenstädte geht. Ein Kickoff-Event wie der in Heilbronn braucht beides: den Moment des Aufbruchs und die Substanz dahinter.
Was all diese Formate verbindet: Das Publikum im Handel ist anspruchsvoll. Es besteht aus Menschen, die Category-Entscheidungen treffen, die Filialrealität kennen, die wissen, wie Nachhaltigkeitsversprechen im Regal klingen, und wie sie sich anfühlen, wenn sie nicht gehalten werden. Sie diskutieren heute in einem Atemzug E-Commerce-Wachstum, KI-gestützte Digitalisierung, neue Verkaufsassistenzsysteme und das Ringen um lebendige Innenstädte. Wer diese Menschen moderiert, muss ihre Sprache sprechen. Nicht aufgesetzt. Sondern weil man sie wirklich kennt.
Genau das bringe ich mit. Einen echten Hintergrund in Retail-Projektentwicklung, jahrelange Erfahrung an der Schnittstelle von Innovation, Technologie und Handelsraum, und die Fähigkeit, auf einer Bühne Haltung zu zeigen, ohne die Kontrolle über den Raum zu verlieren. Der Ton einer Veranstaltung entsteht in den ersten 60 Sekunden. Ich sorge dafür, dass er stimmt.