Keynote in der Personaldienstleister-Branche: 120 Entscheider und eine Alm voller Erkenntnisse
Wer für die Generalversammlung eines Branchenverbands eine Keynote Speakerin bucht, erwartet jemanden, die für einen würdigen Abschluss sorgt und alle gut gelaunt nach Hause schickt. Wirklich zählt der Moment, in dem mehr passiert: ein Raum, der beginnt, unbequeme Fragen zuzulassen. Die Generalversammlung von Österreichs Personaldienstleistern in Schladming war so ein Moment. Rund 120 Entscheiderinnen und Geschätsführer in einer rustikalen Almstube. Ein Publikum, das mit dem Arbeitsmarkt sein Geld verdient. Und ich, bevor ich das Mikrofon in die Hand genommen habe, noch einmal die Gewissheit geprüft, dass wir alle bei den Jobs der Zukunft auch wirklich die richtigen Fragen stellen.
Katharina Aguilar bei der Keynote für Österreichs Personaldienstleistern - dem Treffen des Branchenverbandes in Schladming (Foto: Österreichs Personaldienstleister)
Bevor ich das Mikrofon in die Hand genommen habe, ist mir noch einmal bewusst geworden, wie sehr die Debatte um die Jobs der Zukunft an der falschen Stelle Angst macht. In der Personalbranche denken viele zuerst an Lager, Fahrer, Handwerk, wenn es um Automatisierung geht. Aber genau das stimmt so nicht. Nicht die Blue-Collar-Jobs sind die, die am meisten wegfallen. Es sind die White-Collar-Jobs, die am meisten bangen und fürchten müssen.
Und genau das wollte ich diesem Publikum sagen, auch wenn es unbequem ist. Wer mit dem Arbeitsmarkt sein Geld verdient und hören muss, dass bestimmte Jobs künftig wirklich wegfallen, für den kann das hart zu verdauen sein. Aber die eigentliche Herausforderung ist eine andere: Die Zukunft wird nicht daran scheitern, dass uns die Jobs ausgehen. Sie wird daran scheitern, wenn wir nicht die richtigen Menschen für die richtigen Jobs finden, und zwar in dramatischem Ausmaß.
Wenn eine Generalversammlung den Wandel einläutet
Österreichs Personaldienstleister ist die Interessenvertretung der österreichischen Zeitarbeitsunternehmen, mit hunderten Mitgliedern. Die Generalversammlung findet einmal im Jahr statt, mit klarem Networking-Fokus, und ist bewusst mit einer Kulisse verbunden, die niemanden vorzeitig abreisen lässt: Schladming, rustikale Almstube statt Konferenzsaal, Zeitarbeitsunternehmen, Software-Anbieter und Arbeitsbekleidungs-Hersteller mit Messeständen vor Ort.
Vor mir sprachen Christoph Baumann, Speaker vom deutschen Branchenverband mit 5.000 Mitgliedern, und Walter Puttschädel, Chief Economist bei UniCredit Bank, zu Wachstumsprognosen und den wirtschaftlichen Auswirkungen des technologischen Wandels. Ich war als Abschluss-Keynote gesetzt - und hatte die Ehre, den Raum noch einmal neu aufzuladen.
Als Keynote Speakerin ist genau das mein liebstes Format: kein Vortrag im luftleeren Raum, sondern der erste oder letzte Programmpunkt eines Tages, an dem eine ganze Branche bereits über ihre Zukunft nachgedacht hat, wo dann unter dem Brennglas noch einmal ehrlich hingehört wird.
Mehr zur Zukunft der Arbeit auf meinen Branchenseiten oder in weiteren Blog-Beiträgen.
Die Jobs der Zukunft: Neuigkeiten für die Personalbranche
Die Zahlen, mit denen ich in diese Keynote gegangen bin, sind unbequem, aber eindeutig. Vor Corona lag die Zahl der Zeitarbeitskräfte in Österreich bei einem All-Time-High´, seither ist der Markt deutlich geschrumpft und muss sich neu sortieren. Rund 70 Prozent der aktuellen Arbeiterjobs in der Branche sind Tätigkeiten, die sich theoretisch durch Robotik automatisieren lassen, vom einfachen Pick-and-Place bis zu komplexeren Abläufen. Das eigentliche Problem ist dabei nicht die Automatisierung selbst, sondern dass Unternehmen zunehmend in Länder abwandern, in denen sie kaum noch Menschen für Nicht-Leistungszeiten brauchen.
Die Frage, die die ganze Branche beschäftigt, lautet deshalb nicht, ob Jobs wegfallen, sondern was danach kommt. Welche neuen Berufsbilder entstehen? Welche neuen Dienstleistungen? In meiner Keynote habe ich zwölf neue Wachstumsfelder aufgezeigt, die für Personaldienstleister heute schon relevant werden: von der Energiewende, die allein im DACH-Raum bis 2030 rund 500.000 Arbeitskräfte fehlen lässt, über Rechenzentren, für die Wien sich um eine EU-AI-Gigafactory mit einem Investitionsvolumen von bis zu 5 Milliarden Euro bewirbt, bis zur Pflege, wo bis 2035 rund 300.000 Fachkräfte im DACH-Raum fehlen werden, davon 75.000 allein in Österreich.
Daraus entstehen komplett neue Geschäftsmodelle: Personaldienstleister als Transition Broker, die Arbeitskräfte branchenübergreifend umschulen, finanziert unter anderem über das Milliardenbudget des AMS Österreich und den EU Just Transition Fund. Personaldienstleister als Reshoring Partner, weil laut Bain & Company bereits 81 Prozent der CEOs Nearshoring planen. Und Personaldienstleister als RaaS- und Cobot-Operator, die Roboter statt Menschen vermieten, für genau die Tätigkeiten, die sich wiederholen.
Die zentrale These, die ich diesem Publikum mitgegeben habe: Immer wenn der Kern einer Tätigkeit zwischenmenschlich ist und die Transaktion nur das Abfallprodukt, wird Künstliche Intelligenz nicht gewinnen. Getragen wird das von drei Säulen: Beziehung, Urteilsvermögen in Graustufen und Verantwortung, drei Dinge, die ausgerechnet die Personaldienstleister-Branche seit jeher besser kann als jede Maschine.
Was ich aus dieser Keynote über die Zukunft von HR gelernt habe
Katharina Aguilar bei der closing Keynote des Branchentreffens der Personaldienstleister in Österreich (Foto: Österreichs Personaldienstleister)
Kurz zu mir: Ich bin Katharina Aguilar, Keynote Speakerin und Moderatorin im DACH-Raum. Meine Verbindung zur Zukunft der Arbeit ist keine aufgesetzte: Neun Jahre habe ich in der Automobilindustrie an Zukunftstechnologien wie autonomem und vernetztem Fahren gearbeitet und dabei früh erlebt, wie Automatisierung ganze Berufsbilder verschiebt. Danach habe ich ein KI-basiertes Softwareunternehmen mit Millioneninvestment gegründet und 2025 verkauft, eine Erfahrung, die mir zeigt, wie schnell neue Geschäftsmodelle rund um Technologie entstehen können. Heute bringe ich diese Perspektive als Beirätin für Smart City Solutions an der Hochschule für Technik Stuttgart und auf Bühnen wie in Schladming ein, als Keynote Speakerin für Künstliche Intelligenz, Zukunft der Arbeit, Innovation und Change.
Meine Vorträge polarisieren immer, das weiß ich inzwischen. Aber wenn ich in der Personalbranche über die Jobs der Zukunft spreche, wird es besonders schnell emotional, und das verstehe ich. Im Hinterkopf sind ohnehin alle auf Alarm. Wer mit dem Arbeitsmarkt sein Geld verdient und hören muss, dass bestimmte Jobs mit hoher Wahrscheinlichkeit wegfallen, für den ist das hart zu verdauen.
Ich versuche dabei ehrlich zu bleiben, mit Fakten, manchmal auch ein bisschen frech, aber immer mit dem Ziel, auch die Chancen sichtbar zu machen. Die Botschaft, die am Ende im Raum hängen geblieben ist: Die Zukunft wird nicht daran scheitern, dass uns die Jobs ausgehen. Sie wird höchstens daran scheitern, dass wir nicht die richtigen Menschen für die richtigen Jobs finden, und das in dramatischem Ausmaß.
Das Feedback danach hat mich bestätigt: Ich hätte den Nagel auf den Kopf getroffen, hieß es, und es sei erstaunlich, wie präzise ausgerechnet eine Branchen-Outsiderin thematisieren kann, worum es in dieser Branche tatsächlich geht.
Es wurde hitzig diskutiert, es gab nachdenkliche Gesichter und ehrliche Fragen danach. Und das Wichtigste: Die beste Keynote endet nicht nur mit Applaus, sie endet mit dem Gefühl, jetzt raus aus der Starre und rein ins Handeln zu kommen, auch bevor man alle Antworten hat.
Ob Generalversammlung, Fachkongress, Führungskräftetagung oder Jahrestagung der Personalbranche – jedes Format stellt andere Anforderungen an die Keynote
Wenn Verbände der Personalbranche einen Keynote Speaker buchen, denken viele zuerst an einen würdigen, motivierenden Abschluss. Das ist die Basis, und sie ist wichtig.
Aber was eine Keynote in dieser Branche wirklich trägt, ist etwas anderes.
Die Menschen in der Personaldienstleister-Branche wollen nicht beschallt werden. Sie wollen verstehen, was tatsächlich auf sie zukommt. Wer über Künstliche Intelligenz, Robotik, Fachkräftemangel oder neue Geschäftsmodelle wie Transition Broker und Reshoring Partner spricht, tut das nicht im luftleeren Raum, er tut es vor Menschen, die morgen mit genau diesen Themen ihr Geld verdienen müssen. Das ist Gewicht.
Eine Generalversammlung braucht einen Abschluss mit emotionaler Wärme, aber auch inhaltlicher Substanz. Ein Fachkongress braucht Schärfe und die Fähigkeit, komplexe Prognosen zu Arbeitsmarkt, KI und Wirtschaft greifbar zu machen. Eine Keynote wie hier in Österreich braucht beides: den Moment, der eine Branche zusammenhält, und die Ehrlichkeit, unbequeme Wahrheiten trotzdem auszusprechen.
Was all diese Formate verbindet: Das Publikum in der Personalbranche ist anspruchsvoll und hemdsärmelig zugleich. Es besteht aus Menschen, die den Arbeitsmarkt aus erster Hand kennen, die spüren, wenn jemand nur Buzzwords aneinanderreiht, und die wissen, wie sich echte Unsicherheit anfühlt. Wer diese Menschen erreichen will, muss ihre Sprache sprechen. Nicht aufgesetzt. Sondern weil man die Zahlen genauso ernst nimmt wie die Ängste dahinter.
Genau das bringe ich mit. Einen echten Hintergrund an der Schnittstelle von Technologie, Innovation und Arbeitswelt, jahrelange Erfahrung darin, komplexe Zukunftsthemen so aufzubereiten, dass sie im Raum ankommen, und die Fähigkeit, auf einer Bühne Haltung zu zeigen, ohne die Kontrolle über den Raum zu verlieren. Der Ton einer Veranstaltung entsteht in den ersten 60 Sekunden. Ich sorge dafür, dass er stimmt.