New Work is Old News: Die Keynote über echte Transformation

Mal ehrlich: Wem entlockt das Wort New Work noch Luftsprünge? Wer sagt heute noch "Geil, New Work!"? Eben. Genau das ist das Problem. Seit über zehn Jahren reden Unternehmen über New Work, und trotzdem sitzen alle in denselben Meetings, mit denselben Hierarchien, in denselben Großraumbüros.

Katharina Aguilar ist Unternehmerin und Keynote Speakerin für New Work, Change und Transformation, und sie hat so ziemlich alles gesehen: Corporate, Geschäftsleitung im Mittelstand, eine eigene Agentur, ein Software-Startup. Manches davon hat richtig gut funktioniert, manches hat sie nach eigenen Worten krachend an die Wand gefahren. Genau deshalb erlaubt sie sich dieses Urteil. Und weil sie dafür bekannt ist, die Dinge zu sagen, die andere denken, aber nicht aussprechen, bringt sie es auf den Punkt: New Work, wie es heute in den meisten Unternehmen praktiziert wird, ist Old News.

Die Keynote von der Smart Rebels Convention Frankfurt

Genau darüber hat Katharina Aguilar auf der Smart Rebels Convention am Frankfurt Airport gesprochen: warum die New-Work-Bewegung auf der Stelle tritt, und welche fünf Schritte Unternehmen wirklich gehen müssen. Hier ist die Keynote in voller Länge, darunter die fünf Schritte zum Nachlesen.

Warum New Work in Unternehmen scheitert: die innovative Kaffeeküche

Ein Projekt aus ihrer Beratungspraxis hat Katharina Aguilar die Augen geöffnet. Ein Kunde rief an: ein "mega geiles New-Work-Transformationsprojekt", Transformation, Leadership, alles anders, alles neu. Und dazu der komplette Umbau der Filiale.

In ihrem Kopf liefen sofort Bilder: eine meditative Umgebung, organische Formen, echte Verbindung im Team, Besinnung auf den Purpose. Sie war Feuer und Flamme.

Dann wurde das Konzept präsentiert. Es war ein Großraumbüro. Die Innovation: eine "innovative Kaffeeküche". Und eine Lounge, in der sich die Leute "inspirierend austauschen" können.

Ihre Reaktion auf der Bühne: "Leute, hört mir auf mit diesem New-Work-Bullshit."

Das Schlimmste daran: Es funktioniert nicht mal mehr als Fassade. Die GenZ reagiert auf Jobanzeigen mit Obstkorb und Tischkicker schlicht nicht mehr. Sie zwingt Unternehmen schon heute, radikal echt zu sein. Und das, so Aguilar, ist die beste Nachricht an der ganzen Sache.

Bodo Janssen, Upstalsboom und die stille Revolution

Einer, der es kapiert hat, ist Bodo Janssen, Chef der Hotelkette Upstalsboom. Er spürte, dass etwas schiefläuft, und befragte seine Mitarbeitenden: Was können wir tun, damit unsere Gäste zufriedener sind? Er rechnete mit Antworten über Gäste oder Marketing.

Das Ergebnis der Umfrage: Die Gäste sind nicht das Problem. Unser Chef ist das Problem.

Janssen hätte die Umfrage in der Schublade verschwinden lassen können. Stattdessen ging er ins Schweigekloster, beschäftigte sich mit sich selbst und drehte danach sein Unternehmen komplett auf links. Daraus entstand die Dokumentation "Die stille Revolution". Anschauen lohnt sich.

Aus diesem Gedanken leitet Katharina Aguilar ab, was New Work wirklich bedeutet, und welche fünf Schritte Unternehmen gehen müssen, um es jenseits der Buzzwords zu leben.

Schritt 1: Zugehörigkeit am Arbeitsplatz – willkommen im Age of Belonging

Wir leben im Age of Belonging. Die Ära der Selbstoptimierung, der Einzelkämpfer und der Personal Brands als Allheilmittel geht zu Ende. Menschen suchen Zugehörigkeit, echte Verbindung, einen Ort, an dem ihr Kern gesehen wird. Wer New Work denkt, ohne Belonging zu denken, baut nur schönere Käfige.

Schritt 2: Psychological Safety – psychologische Sicherheit als Fundament

It all begins with safety. Die Ursprungsfrage von allem lautet: Fühle ich mich an meinem Arbeitsplatz sicher genug, ich selbst zu sein? Oder, wie Aguilar es auf der Bühne formuliert: "Fühle ich mich sicher, mit meinem Glitzer-Jacket in einen Raum zu kommen, in dem 58 Dudes im schwarzen Anzug sitzen?"

Die ehrliche Anschlussfrage an jedes Unternehmen: In wie vielen euren Räumen ist das der Fall? Psychological Safety ist kein HR-Nice-to-have. Sie ist die Grundlage, auf der jeder einzelne der folgenden Schritte steht.

Schritt 3: Führungskultur verändern – die Heroes stürzen, auch sich selbst

Die Helden der Arbeitswelt müssen vom Sockel, und Katharina Aguilar nimmt sich dabei explizit nicht aus: "Ich hatte 20 Mitarbeitende und war zeitweise eine richtig schlechte Chefin." Meetings mit 80 Prozent Redeanteil bei ihr selbst. Jede Entscheidung am Ende von ihr getroffen. Jedes wichtige Thema auf ihrem Tisch, weil sie es an sich gerissen hat. Um sich anschließend darüber aufzuregen, dass alles auf ihrem Tisch landet.

Von diesen Führungskräften gibt es da draußen viel zu viele. Und auch das ist ein Safety-Thema: Diese Menschen sind selbst nicht sicher genug, falsch zu liegen. Nicht sicher genug, ihre verletzliche Seite zu zeigen. Genau deshalb halten sie am Heldenstatus fest.

Schritt 4: Feedbackkultur aufbauen – radikal ehrliches Feedback geben

Es gibt nur einen Weg, das aufzubrechen: radikal ehrliches Feedback, so wie es das Team von Bodo Janssen gewagt hat. Wenn das passiert, entsteht für alle im Raum eine komplett neue Situation: Plötzlich ist es sicher, wild zu denken.

Damit ist nicht gemeint, die Wand pink zu streichen oder das Branding aufzufrischen. Gemeint ist radikal anders denken. Die Sachen aussprechen, die man sonst nie sagen würde. Jeder Mensch hat jeden Tag im Job Ideen, die er für sich behält, weil es nicht sicher genug ist, sie zu äußern. Diese Ideen sind das eigentliche Kapital eines Unternehmens. Und es liegt brach.

Schritt 5: KI am Arbeitsplatz und Agentic AI

Wenn diese Basis steht, und erst dann, dürfen Unternehmen ernsthaft über Künstliche Intelligenz nachdenken. Denn dann sind Menschen sicher genug, Systemen wie KI zu vertrauen. Weil sie ihre eigenen Stärken kennen. Weil sie wissen: Ich bin sicher, weil mein Kern hier im Raum gesehen wird, und genau den kann KI nicht ersetzen.

Dann entstehen Dinge wie Agentic AI, und zwar mit den Menschen statt gegen sie: KI-Systeme, die ohne menschliches Zutun entscheiden, über Bewerbungsprozesse, Lieferketten, Marketingkampagnen. Das wird massiv zunehmen. Die Frage ist nicht, ob das kommt. Die Frage ist, ob Unternehmen Organisationen bauen, in denen Menschen sicher genug sind, das geschehen zu lassen.

Was eine New Work Keynote wirklich bedeutet

Wenn all das passiert, kommt New Work wirklich zum Leben. Dann, so Aguilars Fazit, leben wir in einer Arbeitswelt, in der KI-Systeme die "Kackarbeit" machen und Menschen sich auf ihren Kern konzentrieren. In der Mitarbeitende ihren Chefs sagen dürfen, was sie anders machen sollen. In der sich Menschen entfalten können, statt sich zu verstellen.

Und wenn das Ganze dann auch noch in Räumen stattfindet, die diesen Namen verdienen, und nicht in einem Großraumbüro mit innovativer Kaffeeküche, dann ist richtig viel gewonnen.

New Work is Old News. Zeit für das, was danach kommt.

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